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März 6, 2018 / ASANUS Medizintechnik GmbH
Den Materialfluss im Blick: vernetzte Systeme in der Krankenhaus-Logistik

Um Fehlerquellen in der Logistik zu beseitigen, benötigen Krankenhäuser eine genaue Übersicht über Standort und Menge ihrer Materialien. Automatisierte Prozesse können Mitarbeitern außerdem dabei helfen, diese Materialien zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zur Verfügung zu stellen. Im Krankenhaus der Zukunft werden digitale, vernetzte Systeme die Logistik wesentlich unterstützen.

Im Interview mit MEDICA.de erklärt Armin Schorer, welche Rolle vernetzte Logistiklösungen heute in Krankenhäusern spielen, welche Voraussetzungen bei ihrer Implementierung erfüllt werden müssen und wie sich die Krankenhauslogistik in Zukunft entwickeln könnte.

Herr Schorer, welche Rolle spielen vernetzte Logistiklösungen heute im Krankenhaus?

Armin Schorer: Im Moment spielen diese vernetzten Lösungen noch kaum eine Rolle. In den meisten Fällen sind sie noch nicht umgesetzt. Viele Krankenhäuser haben sich noch keine Gedanken über die nötigen Voraussetzungen einer solche Vernetzung gemacht. Es existieren zwar bereits Werkzeuge für die Digitalisierung von Krankenhäusern, aber die Planungsverantwortlichen von Kliniken sind nicht immer damit vertraut.

Also im Grund genommen gibt es noch keine wirklich vollständigen vernetzten Lösungen auf dem Markt?

Schorer: Es gibt ein Pilotprojekt in der Charité Berlin, die wir letztes Jahr mit unseren Systemen ausgestattet haben. Auch diese Lösung ist jedoch noch nicht vollständig vernetzt. Es gäbe sicherlich wesentlich mehr Möglichkeiten, die jedoch starke Veränderungen sowohl im Personal- als auch im administrativen Bereich mit sich bringen würden. Damit ist nicht gemeint, dass sie zu starkem Stellenabbau führen würden, sondern eben zu tiefgreifendem Wandel. Digitalisierung bedeutet nicht nur, dass eine Software oder eine elektronische Lösung eingesetzt wird. Wenn eine Klinik solche Digitalisierungen implementieren will, muss sich das Management genau überlegen, wie und mit wem sie diese gestalten will. Dementsprechend müssen Personalstrukturen und Verantwortlichkeitsbereiche angepasst werden. Die Mitarbeiter müssen außerdem offen für eine Digitalisierung sein und sich nicht dagegen sperren.

Worauf achten Krankenhäuser, wenn sie sich für Logistiklösungen interessieren, in Hinblick auf die technischen Merkmale oder auf die technische Leistung?

Schorer: Bisher sind uns eher Kliniken begegnet, die über einen geringen Wissensstand darüber verfügen, was technisch momentan möglich ist. Zum einen ist den Kliniken wichtig, dass die Lösung nicht kurzlebig ist, daher suchen sie eher Unternehmen, die durch ihre Bekanntheit Sicherheit versprechen. Zum anderen ist das Thema Nachhaltigkeit sehr wichtig. Die meisten möchten ein technisches System, gekoppelt mit langfristiger Beratung und Betreuung. Diese Begleitung und stetige Prozesserweiterung und -optimierung soll eine verlässliche Partnerschaft hervorbringen. Die technische Lösung selbst muss dementsprechend eine Prozesssoftware und nicht nur eine Dokumentationssoftware sein.
Bild: Schwester im OP steht vor einem Bildschirm und hält eine chirurgische Zange in der Hand; Copyright: ASANUS Medizintechnik GmbH

Vernetzte Systeme und mit RFID-Chips ausgestattete Instrumente können in Zukunft die Logistik rund um den OP unterstützen – indem sie zum Beispiel dafür sorgen, dass das benötigte Besteck in ausreichender Menge verfügbar ist.

Sie haben schon die Lösung Ihres Unternehmens angesprochen. Wie funktionieren die Logistiklösungen von ASANUS? Welche Komponenten gehören dazu?

Schorer: Wir bieten eine prozessbezogene Software an. Das Krankenhaus kann die notwendigen Prozesse dort einspeichern, sodass die Mitarbeiter den dort hinterlegten Prozessen, Arbeitsbereichen und Aufgaben folgen können. Es ist also nicht so, dass die Mitarbeiter die Software bedienen und die Prozesse steuern, sondern, dass sie den dort bereits gespeicherten Schritten folgen. Das ist die grundlegende Differenz zu anderen Lösungen auf dem Markt. So können Fehler vermieden werden. Natürlich machen Menschen manchmal bei ihrer Arbeit oder der Dokumentation Fehler. Das ist menschlich.

Ein konkretes Beispiel ist die Reinigung von chirurgischen Instrumenten: Reinigung, Desinfektion, Sterilisation, Funktionskontrollen – also der Hygienebereich. Fehler in diesem Bereich bergen ein hohes Risiko. Unsere Software erkennt die an den Instrumenten angebrachten RFID-Chips. Auf diese Weise werden Instrumente und Personal digital in Prozesse eingebunden. Es wird so nahezu unmöglich, wichtige Schritte zu vergessen.

Zum anderen steuert unsere Lösung zwischen OP-Planung und dem Warenwirtschaftssystem, zum Beispiel SAP oder anderen AP-Systemen, die komplette Materiallogistik nach Verfügbarkeit. Wenn man heute eine OP plant, besteht oft das Risiko, dass zum richtigen Zeitpunkt Instrumente oder Material fehlen. Die ASANUS-Software und das RFID-System stellen alles in Echtzeit dar. Wer eine OP plant, kann auf diese Weise sehen, ob alle Schritte machbar sind. Es gibt sogenannte Materialverfügbarkeiten und Vorreservierungen und bei der Planung regelt und überprüft die ASANUS-Software den gesamten Materialworkflow. Man kann auch mit der Software entweder Patienten oder Material umbuchen und umplanen und zum Beispiel Alternativmaterial einsetzen.
Bild: Grafik einer chirurgischen Schere mit aufgebrachtem RFID-Chip; Copyright: ASANUS Medizintechnik GmbH

Im Prinzip lassen sich alle beweglichen Teile im Krankenhaus mit RFID-Chips ausstatten, um so den Materialfluss zu überwachen. Auch Patienten könnten diese Chips tragen.

Auf welchen Artikeln lassen sich die RFID-Chips anbringen?

Schorer: In der Charité zum Beispiel sind die RFID-Chips auf dem chirurgischen Instrumentarium, den Einzelinstrumenten, angebracht. Die Chips könnten auch zum Beispiel auf teuren Geräten oder Betten angebracht werden, auch Patienten können sie tragen. Sie sind im Prinzip auf allem nützlich, was sich bewegt. Theoretisch kann eine Erweiterung auf das gesamte Krankenhausinventar stattfinden. Mittelgroße oder große Krankenhäuser haben oft teure Inventarbestände, wissen aber nicht genau, wo sich welche Geräte befinden oder ob sie überhaupt noch benutzt werden. Durch die Chips kann alles effizienter werden.

Welche Trends sehen Sie denn in dieser Hinsicht für die Krankenhaus-Logistik der Zukunft?

Schorer: In den Bereichen Software und Digitalisierung wird sicherlich in Zukunft noch weniger mit Barcodes und dafür mehr und mehr mit RFID-Chips gearbeitet werden. Prozesse und Workflows können dann zunehmend automatisiert werden. Das heißt, dass Fehlerquellen eliminiert werden. Im Prinzip wird eine automatische Registrierung aller Workflows, aller Materialien, relevanten Medien und auch Patienten in Echtzeit möglich. Dies ermöglicht in Zukunft eine sehr hohe Wirtschaftlichkeit und Sicherheit für den Patienten.

Das Interview wurde geführt von Timo Roth
MEDICA.de